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800 PS Corliss Dampfmaschine der ehemaligen Kollnauer Baumwollspinnerei & Weberei AG (KSW) in Waldkirch-Kollnau.
Gebaut und aufgestellt 1903 von der "Elsässischen Maschinenbau-Gesellschaft" in Mülhausen.
Zylinderdurchmesser: ND 950 mm,(Bildmitte) HD 510 mm (Bild vorne links).mit Corliss Ausklinksteuerung
Hub 1200 mm, Drehzahl 107 U/min
(Quelle: Albert Gieseler)
Diese Corliss-Dampfmaschine ist die einzige in situ erhaltenen Anlage in Deutschland.

Das Besondere an dieser Anlage ist, dass es sich hier um ein kombiniertes Dampf- und Wasserkraftwerk handelt.
Hinter der linken Wand (mit der damals noch vorhandenen originalen Wandlampe) befindet sich das erhaltene, aber leider völlig ausgeräumte, Kesselhaus. Rechts hinter dem BBC-Generator setzt sich die Kurbelwelle der Dampfmaschine fort in das Wasserkraftwerk.
An der gemeinsamen Welle arbeiteten ( im Bild von links nach rechts) die Corliss-Dampfmaschine, der Generator, zwei Wasserturbinen (über hölzerne Kammräder) und ein weiterer Schwungrad-Drehstromgenerator am Ende der Welle im Nebengebäude.
Bei nachlassender Wasserkraft konnte die Dampfmaschine zugeschaltet werden, so dass die Generatoren immer ihre volle elektrische Leistung abgegeben haben.

Die Dampfmaschine wurde Anfang der 1960er Jahre stillgelegt. Der ehemalige Maschinist und Schlosser Erich Moser hat mit bemerkenswertem Engagement die langsam verfallende Anlage gepflegt.

( Zustand 1970er Jahre) 

 
Foto aus: dem Buch:
"Technische Denkmäler i. d. Bundesrepublik Deutschland Band 2" von Dr. Rainer Slotta
Bergbaumuseum Bochum
 
 
Zustand 1997
Obwohl seit der Stilllegung mehr als 30 Jahre vergangen sind, ist die Dampfmaschine noch in einem sehr guten Zustand, dank der Pflege des Maschinisten. Nur die alte Jugendstil-Wandlampe fehlt.
Die lange gemeinsame Welle ist im Wasserkraftwerksteil an 4 Stellen durchtrennt worden, um moderne Generatoren einzubauen. Der alte Schwungradgenerator (ca. 5 m Durchmesser., 107 U/min) ist aber noch erhalten!


Zitat aus:  Dr. Rainer Slotta, Technische Denkmäler i. d. Bundesrep. Deutschland,  Band 2 (1977)
"Diese durch ihre Monumentalität beeindruckende Maschine hat sich in einem Raum erhalten, der seit der Erbauung nie verändert worden ist! In der langen, schmalen Räumlichkeit, der ausgesprochen viel Licht durch die großen Fenster in den Stirnwänden erhält, bestehen noch die braunen, mit Mustern geprägten Pappe-Linoleum-Wandverkleidungen mit Blumen- und Arabeskenmustern! Darüber hat sich der braune Ölfarbenanstrich behauptet, dessen Muster in Form von Ranken immer einzelne Wandfelder ausgrenzen. Zwischen den Mustern sind Wandlämpchen mit geschwungenen, eingerollten Wandhaltern und gewellten Schirmen angeordnet. Eine Rabitzdecke schließt den Raum ab."
 

Der hölzerne Treppenaufgang in der Maschinenhalle führt zum Wasserkraftwerk, vorbei an der Erregermaschine des Drehstromgenerators (rechts).


 

Eine weitere Besonderheit ist ein zweites, damals noch vollständig erhaltenes Wasserkraftwerk, aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, das sich unter der kombinierten Dampf-und Wasserkraftanlage befindet. 


 


Bei meinen Recherchen zu diesem Objekt bin ich auf Widersprüche und ungelöste Fragen gestoßen.
Über dem Eingangsportal des oberen Wasserkraftwerks steht die Jahreszahl 1923. Wenn es sich um das Baujahr oder die Inbetriebnahme der Ablage handeln sollte, stimmen alle Angaben über das Herstellungsjahr der eingebauten maschinellen Komponenten nicht.
Die Dampfmaschinenhalle ist mit großer Wahrscheinlichkeit im Zeitraum 1901-1903 errichtet worden. Einen Hinweis geben die (zumindest noch rudimentär) vorhandenen Wandlampen im reinsten Jugendstil. 1923 wären sie im Art déco Stil errichtet worden.
Ein späterer Anbau des Wasserkraftwerks ist auch sehr unwahrscheinlich, da es sich von Anfang an um ein kombiniertes Dampf und Wasserkraftwerk mit gemeinsamer Welle durch zwei Gebäude gehandelt hat.
Wie kommt es dann zu dieser Jahreszahl? '
Möglicherweise handelt es sich um ein Renovierungsdatum mit nachträglich errichtetem Eingangsportal nach 20 Jahren Betriebszeit.






Ein Bild der Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur / Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Inventar-Nr. BA 98/10 c
Foto: Annemarie Brenzinger
, Plattenkamera 18x13 cm




Auf dem Bild rechts ist die Rückseite des Dampf und Wasserkraftwerks in Kollnau aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu sehen.

Vermutlich wurde das untere Wasserkraftwerk nachträglich angebaut (um 1910). Das Baujahr der Voith-Turbine (1909) und der andere Baustil deuten darauf hin.
Das etwas provisorisch anmutende Treppenhaus zwischen den Kraftwerken (links auf dem Flachdach) passt nicht zum architektonisch gelungenen Altbau.